Warum ich Karl-Theodor zu Guttenberg nicht glaube

Geht es um politische Shooting-Stars, ebenso wenn sich das Gespräch um Plagiate und Wissenschaftsehrlichkeit dreht, kommt die Diskussion an einem Namen und seiner Schuld selten vorbei: Karl-Theodor zu Guttenberg und seine in großen Teilen abgeschriebene Dissertation.

Weil das nach wie vor so ist, werde ich hier kurz darlegen, warum ich ihm nicht glaube, dass er „aus Versehen“, ohne Absicht und bösen Willen abgeschrieben habe.

Zu Guttenberg sagt: „Wenn ich etwas verschleiern wollte, würde ich es so verfremden, dass es niemand merkt. Das dürfen Sie mir durchaus zutrauen.“

Es geht hier allerdings nicht um Fähigkeiten, um Intelligenz und Können. Ehrlich gesagt würde ich dem Mann durchaus zutrauen, eine nicht-plagiierte Doktorarbeit zu verfassen. Nein, es geht anderes. Abgeschriebenes so zu verfremden, dass niemand mehr das Original zu erkennen vermag, braucht viel Zeit und Fleiß. Und beides wollte der Herr Baron offensichtlich nicht aufbringen. Er wollte sich die Zeit nicht nehmen, hatte nicht die Energie, setzte andere Prioritäten oder war einfach nur faul. Deshalb hat er den bequemen Weg gewählt und abgeschrieben.
Seine Verteidigungsstratgie lautet weiterhin: Er habe die Übersicht verloren. So viele Disketten, so viele Dateien – da habe er irgendwann nicht mehr wissen können, was Eigenes und was Fremdes war.

Nun gibt es zwei Möglichkeiten.

Entweder zu Guttenberg hat bei seiner Materialsammlung keine Literaturangaben gesetzt. Man muss nämlich, wenn man wissenschaftlich exzerpiert, immer dazuschreiben, wo das Notierte herkommt: aus welchem Buch, von welcher Seite. Sonst hat man kaum mehr eine Chance, irgendwann die Stelle wiederzufinden und/oder korrekt zu zitieren. Es kann manchmal passieren, dass man das vergisst. Wenn der Ex-Verteidigungsminister allerdings systematisch darauf verzichtet hat*, Referenzangaben zu notieren, dann hatte er damals von wissenschaftlichem Arbeiten so wenig Ahnung, dass er nicht einmal eine Studienabschluss, geschweige denn einen Doktortitel verdient gehabt hätte. Noch nicht einmal einen Proseminarsschein. Falls das der Fall war, müsste sich auch seine Uni fragen wie es denn sein kann, dass jemand, der von den Basics nichts weiß, ein Staatsexamen schafft.

Oder er hat diese Angaben tatsächlich gesetzt. Und dabei kommt es überhaupt nicht darauf an, wie viele Dateien und Disketten man nutzt. Unmittelbar beim jeweiligen Exzerpt muss alles stehen. Oder man muss sich eine eigene Literaturliste anlegen und direkt bei der jeweiligen Stelle darauf verweisen. (Heutzutage gibt es für die Wissens- und Zitatverwaltung auch spezialisierte Programme.) Wenn Guttenberg nun tatsächlich brav notierte, was woher stammte, dann muss er diese Angaben irgendwann gelöscht haben, bzw. beim Umkopieren von der Materialsammlung ins eigentliche Dokument weggelassen haben. Und das geschieht bei hunderten Stellen nicht unterbewusst. Das geschieht absichtlich, wenn man plagiiert. Wenn man willentlich betrügt.

* Man könnte auch annehmen, dass er von Anfang ganz absichtlich keine Literaturangaben notiert hat, weil er schon immer wusste, dass er betrügen will. Aber das halte ich für unwahrscheinlich. Viel wahrscheinlicher ist es doch wohl, dass er motiviert startete, irgendwann die Lust verlor und aus dem gesammelten Material einen Text zusammenschusterte.

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2 Gedanken zu „Warum ich Karl-Theodor zu Guttenberg nicht glaube

    • Ich traue mir auch kein Urteil im Fall Kachelmann z.B. zu. Aber bei einem Plagiat liegen die Fakten ganz offensichtlich auf dem Tisch. Ich glaube, das ist schon so eine Sache, bei der jede und jeder urteilen kann.

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