Dinge, die den Staat nichts angehen. Teil 1: die Ehe

Fragte man einen beliebigen Menschen, warum denn in einer beliebigen Straße eine Laterne stehe, erhielte man mit ziemlicher Sicherheit etwa zur Antwort: „Damit die Straße nachts beleuchtet werden kann.“ Klingt plausibel, ist eine schöne Alltagserklärung, hat aber Defizite. In meinen Augen steht an einer gewissen Stelle eine Straßenlaterne, weil irgendjemand einmal beschlossen hat, an dieser Stelle eine Straßenlaterne zu errichten. Und selbst wenn dieser Jemand damals gute Gründe hatte – heute mögen sie obsolet sein. Vielleicht befindet sich die Straße ja jetzt in einer Geisterstadt oder die Erde hat aufgehört, sich um die Sonne zu drehen, und an der nämlichen Stelle strahlt 24/7 schönstes Tageslicht. Trotzdem bliebe die Laterne wohl so lange, bis jemand die Frage entscheidende Frage aufwürfe: „Ist denn die damals getroffene Entscheidung noch sinnvoll?“

Die Frage stellen wir alle viel zu selten. Ich selbst will jetzt in einer losen Serie damit anfangen. Mein Augenmerk gilt dabei staatlichem Handeln. Ich suche (und finde) Dinge, die der Staat dereinst unter seine allzu weise, gnädige und milde Obhut gestellt hat, die die Gesellschaft aber genauso gut (und noch besser) ohne ihn regeln könnte.

Ich beginne – wenig überraschend – mit der „Ehe“. Wenig überraschend, weil ich schon anderswo dargelegt habe, dass ich dieses Institut für nicht besonders schützenswert halte. Nun gehe ich einen Schritt weiter und begründe, warum die gesetzliche Ehe auf den Müllhaufen der Geschichte gehört.

Es dürfte gesellschaftlicher Konsens sein, dass die Frage, wer mit wem ins Bett geht, nur noch dann ein Fall für Gesetz und Gericht ist, wenn mindestens eine der beteiligten Personen, kein Einverständnis gegeben hat oder geben konnte. Die Zeit, in der die Ehe also in erster Linie ein Sexualkontrollinstrument war, sind glücklicherweise vorbei.

Was von der gesetzlichen Ehe bleibt, ist eine Art „staatliche Paketlösung“. Die Brautleute gehen ins Standesamt und sehen sich mit einem Bündel an Änderungen ihres Lebens konfrontiert: Fortan haben sie ein gemeinsames Sorgerecht für ihre Kinder, beerben sich gegenseitig, haben gewisse Vertretungsrechte füreinander. Und Steuervorteile.

Die Steuerprivilegien, das sogenannte Ehegattensplitting, sind Quatsch. Sie sind ungerecht, unsinnig und begünstigen Reiche.

Was den Rest betrifft, so ist meine Meinung, dass der Staat seine Bürger bevormundet, wenn er sie zu einer Paketlösung zwingt. Warum darf ich nicht mit Person A Kinder erziehen, Person B mein Vermögen vererben* und bestimmen, dass Person C über eine Notoperation entscheidet, wenn ich ins Koma falle?

Und auch diejenigen, die das gesamte Paket wollen und alles mit derselben Person teilen, brauchen dazu kein Standesamt, keine Trauzeugen, kein „Aufgebot“ und schon gar keine behördliche Zeremonie.

Nein, dazu reichen einfache Willenserklärungen und sinnvolle Einzelregelungen (gerade im sensiblen Bereich des Kindersorgerechts) anstatt eines archaischen „Gesamtpakets“.

Und für Romantik ist der Staat am allerwenigsten zuständig.

* Ja, natürlich ist das heute schon möglich. Aber Ehegatten genießen hier Freibeträge, die Nicht-Verwandte nicht genießen.

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