Dinge, die den Staat nichts angehen. Teil 2: Namen

Wenn man nicht gerade für totale Anarchie und gegen jeden Staat ist, wird man nicht um die Tatsache umhinkommen, dass der Staat seine Bürger_innen (irgendwie) „verwalten“ muss. Dazu legt der Staat Datensätze an. Der Staat braucht z.B. meine Adresse, um mit mir in Kontakt treten zu können. Er muss wissen, wie alt ich bin, wenn es beispielsweise um die Frage geht, ob ich einen Führerschein beantragen kann oder Rente beziehe.

Der Staat muss auch eine in der Lage sein, festzustellen, ob der lebendige Körper, der gerade vor ihm steht, zu dem Datensatz gehört, zu dem der Körper behauptet zu gehören. Sprich: Der Bürger muss sich ausweisen können. Dazu braucht es biometrische Daten.

Wenn ich mir meinen neuen Personalausweis anschaue, dann befindet sich dies alles darauf: Geburtsdatum, Adresse, „Biodaten“ (Augenfarbe, Größe, Foto, elektronisch der Fingerabdruck, die Unterschrift), dazu ein paar Sicherheitsmerkmale.
Ganz oben aber steht da noch etwas: mein voller Name.

Und nun frage ich mich: Wozu muss der Staat den wissen? Wozu braucht der Staat, der mich „verwaltet“ die Information, wie ich mich nenne und wie ich genannt werde?

Früher hatten Namen in staatlichen Verwaltungssystem sicherlich einen Sinn. Vor 400 Jahren war es für den Ratsschreiber sicher einfacher, eine Akte mit „Philippus Seldeneck“ anzulegen, statt sich die Nummer 543567467568 zu merken. Heute ist es umgekehrt. Jeder, der mal mit einer Datenbank gearbeitet hat, weiß, dass Strings zur Kennung eines Datensatzes denkbar ungeeignet sind. Dazu taugen Zahlen besser. Das hat auch der Staat erkannt und uns alle mit einer „Steuernummer“ beglückt. Warum aber hat er die Kontrolle über die Namen behalten? Was geht es den Staat an, wie ich heiße? Wie man mich nennt, wie ich mich selbst nenne?

Man mag einwenden: „Wenn der Staat nicht aufpasst, nennen Eltern ihre Kinder ja wie so wollen, geben ihnen alberne Fantasienamen wie ‚Einhorn‘ oder ‚Lillifee‘ – und die Kinder sind gestraft fürs Leben.“

Das Gegenteil ist der Fall. Die Betroffenen haben heute ein Problem: Ein „Traugott“ oder eine „Tussnelda“ hat heute einen langen Marsch vor sich, einen solchen Namen zu ändern. Schließlich ist der Personenbezeichnung ja staatlich sanktioniert.

Hielte sich der Staat aus der Sache raus, wäre es einfach: Jeder, der von seinen Eltern einen (in seinen Augen) bescheuerten Namen erhalten hat, könnte eines schönen Morgens beschließen, anders zu heißen. Ganz unbürokratisch.

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