Genug GEZankt

Konrad Lischa hat gefragt, wozu wir die Öffentlich-Rechtlichen brauchen. Ich hätte da eine Antwort.

Nun ist GEZ-Mafia-Bashing ziemlich einfach. Darzulegen, wie schlecht die Sendungen von ARD und co. sind, wie bescheuert System ist, wäre ein sehr dankbares Thema. Ich könnte einen vergnügten Abend damit verbringen, immer fiesere Formulierungen, immer schärfe Verurteilungen zu ersinnen und wäre zudem sicher, mit meiner Meinung nicht alleine zu stehen.

Aber ich gefalle mir zur Zeit in der Rolle des konstruktiven Kritikers. Ich will Blogger mit der Maurerkelle sein statt der Philosoph mit dem Hammer.

Also wofür brauchen wir im 21. Jahrhundert öffentlich-rechtliche Medien in Deutschland? Was spricht gegen ihre völlige Abschaffung? (Die Sache mit den Arbeitsplätzen lasse ich hier nicht gelten.)

Meinungen zu jedem erdenklichen Thema gibt es weiß Gott genug außerhalb der GEZ-Welt. Für jeden jederzeit zugänglich. Auch im privaten Fernsehen gibt es ab und an ausdurcksstarke Häppchen, mehr noch aber im Internet. Dieser Blog ist einer von hunderten Politblogs. Ehrlich: Wer braucht für seine Meinungsbildung den Tagesthemen-Kommentar? Ich glaube: sehr wenige.

Noch klarer ist das bild bei der Unterhaltung. Medien zur Zerstreuung, Erzählendes, Spannendes und Triviales gibt es wie spitze Steine im Meer: Mehr als ein Mensch sich in einem Leben zumuten kann.

Auch um die reine Nachricht ist es nicht schlecht bestellt. Nachrichtenseiten und -sender, Twitter-Kanäle, Foren und Blogs, die Agenturmeldungen wiederkäuen und durchnudeln fehlen nicht in diesem Lande. Ein Sender mehr fiele hier wirklich nicht ins Gewicht.

Was allzu oft fehlt, ist Recherche.

Langfristig angelegte, gar investigative, tiefschürfende und fundierte Recherche ist ein seltenes Tier im deutschen Medienzoo geworden. Es gibt sie, aber es gibt nicht genug davon. Hier und nur hier müssten die Öffentlich-Rechtlichen ran.

Und weil es dazu kein Milliarden-Budget bräuchte und die GEZ-Zwangsabgabe so oder so weg muss, hier mein Vorschlag:

Alle öffentlich-rechtlichen Sender stellen zum 31.12.2012 jeden Betrieb ein. Das Gros der Belegschaft wird entlassen, Gebäude und Technik verkauft. Die GEZ-Gebühr wird jedoch noch ein weiteres Jahr eingezogen. (Wer dann noch nicht prellt, ist selber schuld, aber es dürfte trotzdem noch genug zusammenkommen.) Das Geld das dabei reinkommt, fließt in eine unabhängige, aber staatlich kontrollierte Stiftung. Ähnlich wie die „Stiftung Warentest“.
Von Stiftungsvermögen wird eine Redaktion bezahlt, die recherchiert. Die Hintergründe abklopft und ab und an sogar in den Untergrund geht. Auf die Aufbereitung und Präsentation ihrer Ergebnisse verwendet sie keine Mühe. Alles Fertigrecherchierte wird im Rohzustand als „Creative commons zero“ (sozusagen gemeinfrei) veröffentlicht. Andere Sender, Medien, Blogs oder wer auch immer können alles nach Blieben aufgreifen und aufhübschen.

Das würde der Medienlandschaft gut tun. Der ewige Streit wäre weg, es hätte sich ausgezankt.

Ich glaube nicht, dass die privaten Medien dann (noch) weniger recherchieren würden. Aber in allen Fällen, wo nur auf öffentlich-rechtlich Recherchiertes zugegriffen wird, würde es Waffengleichheit zwischen großen Online-Medien und Bloggern herstellen.

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