Selbstplagiate

Ich höre euch gähnen.

Wieder eine Doktorarbeit unter Plagiatsverdacht. Wieder gehts um einen Politiker. Dieses mal um einen gewissen Marc Jan Eumann von der SPD. (Den muss man nicht kennen. Er ist Staatssekretär im Ministerium für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien in in NRW. Siehe SPON.)

Aber ein wenig anders liegt der Fall doch. Und wenn ihr euch ein bisschen für wissenschaftliches Fehlverhalten interessiert, dürft ihr jetzt aufwachen.

Es geht nämlich nicht darum, dass dem Mann vorgeworfen würde, aus fremden Texten ohne Kenntlichmachung abgeschrieben zu haben, sondern seine eigene Magisterarbeit nur ein wenig aufgepeppt und als Dissertation eingereicht zu haben, ohne das ausreichend deutlich zu machen. Es geht also um ein sogenanntes Selbstplagiat.

Derlei ist – zumindest in meinem Fachbereich – bis zu einem gewissen Grad gang und gäbe. Liest man mehrere Aufsätze unangefochtener Koryphäen kann einen leicht ein Déjà-vu-Gefühl beschleichen. Ganze Absätze, ganze Passagen sind aus älteren Arbeiten kopiert. Das ist zumindest ärgerlich. Es macht einem beim Lesen nicht nur Mehrfacharbeit (weil man etwas öfter lesen muss, als man will), es nährt auch Zweifel daran, ob das Kopierte tatsächlich auf dem neuesten Stand ist: Was ist von Sätzen zu halten, die schon vor Jahren so veröffentlicht und nie modifiziert worden sind?

Bei Qualifikationsschriften sagen manche, es sei der Normalfall: Die Hausarbeit angereichert zur Masterarbeit, die Masterarbeit zur Dissertation aufgebauscht. Ich kenne Kommiliton_innen, die sagen, es ginge gar nicht anders.

Und auch ich habe mehr als einmal die Versuchung gespürt. Es ist so einfach: Str. und C gedrückt, Str. und V gedrückt und fertig. Wo ist das Problem? Schließlich hab ichs ja selber geschrieben.

Natürlich sollte man da nicht päpstlicher sein als der Papst. Ein gut formulierter Halbsatz oder eine kurze Paraphrase, die man einmal angefertigt hat, wieder zu verwursten, ist legitim.

Aber größere Stücke, ganze Passagen, Seiten, Kapitel – da hab ich was dagegen. Dafür sollten dieselben Maßstäbe gelten wie für andere Zitate: Kenntlichmachen und bei sehr langen Passagen zumindest ansatzweise begründen, warum zitiert wird.

In der wissenschaftlichen Qualifikationsphase ist ein wichtiges Kriterium, an dem der Nachwuchs gemessen werden soll, die Fähigkeit, sich in verschiedene Themen einzulesen. Neue Felder erschließen und dort Neues produzieren. Das muss der Anspruch sein.

Und später, im reiferen Älter, wenn man sich seine Sporen verdient hat, sollte man sich um mehr kümmern als nur eine lange Publikationsliste. Ja, es ist einfach, immer wieder Altes aufzuwärmen. Aber gerade von den Arrivierten erwarte ich mehr als den einfachen Weg.

Auch Selbstplagiate schaden nicht nur dem Ansehen der Wissenschaft, sie stehen auch dem Erkenntnisfortschritt im Wege. Ihre Duldung sorgt dafür, dass Leute zu Posten und Ansehen kommen, die es sich manchmal sehr einfach machen.

Selbstplagiate sind bäh!

Sie sollten möglichst vermieden und geächtet werden.

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4 Gedanken zu „Selbstplagiate

  1. Kenntlichmachen find ich ja fast immer gut, aber wenn jemand schon mal was geschrieben hat, das noch stimmt, und das noch mal schreiben will, warum soll er es dann nicht einfach kopieren? Einen neuen Text zu verfassen, der genau das gleiche sagt, wäre nun auch unnötig.

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