Die Smartisierung der Alltagstechnik

Meine LED-Stirnlampe funktioniert ziemlich simpel. Sie hat einen Knopf und drei Leuchtmodi: Einmal Drücken heißt kräftiger Strahl, zweimal hast schwacher Lichtstrahl, dreimal heißt Blinken. Und ich glaube nicht, dass sich dieses Bedienkonzept demnächst radikal ändern wird. Die Revolution findet woanders statt.

Handys hat es schon lange erwischt, die klassische Brille zittert schon um ihr Dasein und aktuell stehen Uhren in der Schusslinie.

Die Smartisierung kommt.

Auch ich trage eine Armbanduhr, wenn ich außer Haus bin. Schlichtweg deshalb, weil ich mich sehr gerne, oft und sekundengenau über die Uhrzeit informieren will. Das ist mir per Handy zu umständlich: Smartphone aus der Tasche holen, Schützhülle wegklappen, anschalten, draufsehen, ausschalten, Schutzhülle zuklappen, in die Tasche stecken. Zuviel Aufwand.

Jetzt kommen die Smartwatches. Aber die sind irgendwie keine so richtige Armbanduhr.

Die können eine Menge, aber eines geht auch nur mit Aufwand: die Uhrzeit ablesen. Je nach Modell muss man dafür Gesten ausführen, auf Knöpfe drücke oder Sonstiges tun.

Damit ist der einzige Nutzen einer Armbanduhr perdu.

Auf meine Armbanduhr kann ich oftmals sogar sehen, wenn ich beide Hände voll habe, ich kann sie ganz unauffällig am Arm nach vorn schieben und dann aus dem Augenwinkel im Gespräch darauf sehen, ohne dass es meinem Gesprächspartner großartig auffällt.

Wenn ich einen Vortrag halten muss, nehme ich meine Armbanduhr manchmal ab und lege sie vor mich neben das Manuskript aufs Lesepult.

Und die Batterie hält viele Monate.

Ich bin alles andere als ein Technikmuffel. Aber wenn durch die Versmartisierung der Alltagstechnik deren eigentlich Sinn wegfällt, muss ich sagen: Da läuft etwas schief. Unbefleckt von jeder Sachkenntnis stelle ich mir vor, dass es kein Ding der Unmöglichkeit wäre, eine Uhr mit zwei übereinander gelagerten Displays zu bauen. Das untere zeigt immer die Uhrzeit und vielleicht noch ein oder zwei Kontrolllämpchen. Dieses Display wird separat mit Strom versorgt und hat einen Akku, der mehrere Wochen hält. Darüber liegt das eigentliche Smartphone-Display. Farbig, hochauflösend, berührungsempfindlich und dafür energiehungrig. Das wird nur auf Knopfdruck aktiviert.

So stelle ich mir die Zukunft unserer Alltagstechnik vor: Das Simple und Nützliche bleibt erhalten, das Smarte kommt dazu.

Vielleicht bekommt meine Stirnlampe vielleicht mal einen zweiten Knopf: Mit dem kann man dann Lasershows in den Nachthimmel projizieren, Morsecodes absetzen und den Balzruf eines Kakadumännchens imitieren.

Alles sehr schön. Solange der erste Knopf dableibt.

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