Sport

Und nun zum Sport.

Dazu gibts momentan zwei Meldungen – Jan Ulrich gesteht ein bisschen Doping; in Brasilien sind viele mit der WM und vielem anderen unzufrieden – aber mir gehts heute weder um Doping (dazu vielleicht ein andermal) noch um Korruption in Brasilien (davon hab ich keine Ahnung). Mir gehts heute um etwas Grundsätzliches.

„Möge der Beste gewinnen“, heiß es immer.

Und wer ist beim Sport der oder die Beste?

Recht eigentlich ist das doch, wer
a) die passenden körperlichen Voraussetzungen für die jeweilige Sportart mitbringt
b) über etwas diffuses wie „Talent“ verfügt
c) am besten und härtesten trainiert hat.

(Und natürlich kommt noch das berühmte Pfund Glück dazu.)

Klingt eigentlich selbstverständlich. Ist aber nicht so.

Es bekommen Hunderte von Menschen olympisches Gold, die im Grunde keine Chance darauf haben dürften.

Warum?

Weil es – ziemlich willkürlich – so etwas wie „Klassen“ im Leistungssport gibt. Und damit meine ich nicht Altersklassen (über deren Sinn kann man auch diskutieren), sondern einerseits die Geschlechtertrennung und andererseits Paralympics und Konsorten.

Ein 1,55m großer Mann wird nie Basketballprofi werden und eine 1,90 große Frau keine Eiskunstläuferin. Und andersrum auch nicht.

Das ist nun mal so, damit müssen sich alle abfinden, das ist Sport.

Was kein Sport ist, ist willkürliches Aussortieren nach Dingen wie „Geschlecht“ oder gar „Behinderung“. Im Prinzip sagt man damit doch Frauen und Behinderten: „Ihr seid nicht gut genug, euch mit den ‚Richtigen‘ zu messen, ihr bekommt eine Nische, in der ihr euch austoben dürft und auch ein bisschen Aufmerksamkeit bekommt.“

Das ist Othering in Reinform.

Konsequent, aber undurchführbar wäre es, eigene Klassen für alle zu schaffen: Für alle, die körperlich untauglich für eine Sportart geboren wurden, aber nicht nach gängiger Definition als „behindert“ gelten. Dann gäbe es den 100-Meter-Lauf in der Gewichtsklasse der über 150kg-Schweren, Sumo-Ringen für Untergewichtige.* Und natürlich Dressurreiten für Pferdehaar-Allergiker (mit Pferden, die vorher in Plastikfolie eingepackt werden).

Klingt absurd?

Wäre aber genauso absurd wie die Situation heute.

Wer für eine Sportart mit den falschen körperlichen Voraussetzungen geboren wurde, hat eben Pech gehabt. Aber statt das einzusehen, schaffen wir für manche der „Benachteiligten“ eigene Klassen und zeigen ihnen damit erst recht, wie benachteiligt sie sind.

Den abfälligen Spruch „ganz großes Damentennis!“ hab ich schon öfter gehört. „Ganz großes Herrentennis!“ noch nie. Über Vorurteile gegenüber Frauenfußball ganz zu schweigen.

Woran liegt das? Das liegt daran, dass Frauensport nicht für voll genommen wird.

Und in gewisser Weise zurecht. Weil Sport mit Geschlechtertrennung die entscheidende Voraussetzung für einen Wettkampf fehlt: Statt der Allerbesten treten nämlich immer nur manche an. Die, die in irgendein seltsames Raster passen.

Zum 19. Jahrhundert, als die „olympische Idee“ geboren wurde, passte Geschlechtertrennung im Sport. Auch gerade aus „sittlichen Gründen“. Ins 21. Jahrhundert passt sie nicht.
Zumindest nicht im Leistungssport. Im Freizeitsport solle alle machen, was sie wollen, und Schulsport ist ein Problemfall für sich. Aber beim Spitzensport geht es zuallererst um Öffentlichkeit und Publicity. Und momentan ist die Botschaft die falsche.

Daher: Weg mit der Geschlechtstrennung! Weg mit Paralympics!

Ich bin mir sicher, dass – gerade in den Mannschaftssportarten – auch Frauen in gemischten Ligen und Mannschaften reüssieren werden. Und sicherlich auch einige von denen, die nach gängiger Definition als „behindert“ gelten.

Ich warte auf den Tag, an dem sich ein Sportler zwei gesunde Beine amputieren lässt, weil Prothesen besser sind. Warum denn auch nicht?

Es mag sein, dass sich Menschen (beiderlei Geschlechts) in gemischten Mannschaften unwohl fühlen, dass sich manche Menschen einen geschützten Raum wünschen, in dem sie unter Ihresgleichen sind. Das ist auch völlig legitim. Aber eben nicht im Spitzensport. Im Leistungssport geht es um öffentliche Darstellung, um ständige Beobachtung, letztlich um Unterhaltung für die Massen. Da sind Schutzräume in meinen Augen fehl am Platz.** Weil sie nichts mit Wettkampf zu tun haben. Weil sie Menschen ausschließen. Weil sie eine falsche Botschaft senden. Weil sie den Betroffenen eher Mitleid als Anerkennung verschaffen. Oder blanken Hohn.


* Gewichtsklassen beim Boxen und Konsorten seh ich übrigens auch nicht ein.

** Von dieser generellen Aussage abgesehen halte ich Sammelduschen und -umkleiden für eine sehr archaische Sache, die im Grunde nicht in unsere Zeit passt.